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8 Dinge die jeder über New Work wissen sollte

Eine Grundorientierung zum Thema New Work

Bildnachweis: © inarik – depositphotos.com

Egal ob als Manager, Mitarbeiter, Unternehmer, Berater, man hat immer zu wenig Zeit, um sich mit den neuen Trends auseinanderzusetzen, die einem in Wirtschaftsmagazinen, auf Konferenzen und in Seminaren näher gebracht werden könnten. Der Alltag fordert schon genug.

Und wer schon ein paar Jahre arbeitet, der hat gelernt, nicht gleich jeder neuen Mode nachzulaufen. Viele vermeintliche Megatrends sind eh nur heiße Luft. Deshalb ist es auch gar nicht so dumm, sich nicht stundenlang mit jedem neuen Label auseinanderzusetzen.

Und wie ist es mit New Work? Hier sind 8 Dinge, die jeder über New Work wissen sollte.

1) New Work ist ein Klammerbegriff

Dass New Work bald kein Thema mehr ist, davon ist nicht auszugehen. Vielmehr werden einzelne Aspekte von New Work kein Thema mehr sein, andere hingegen werden hochgradig relevant bleiben.

Das liegt daran, dass wir es bei New Work mit einem Klammerbegriff zu tun haben. Unter New Work lässt sich so ziemlich alles subsummieren, was mit den gegenwärtigen Veränderungen rundum Arbeit, Führung und Organisation zu tun hat.

2) New Work ist keine Ideologie

Das folgt schon fast aus dem ersten Punkt. New Work ist kein Programm, es gibt keine Agenda, kein Rezept und keinen heiligen New Work Gral. Man muss sich also vor New Work nicht fürchten oder wehren. Und auch anschließen kann man sich New Work nicht. New Work ist einfach da, so wie das Internet oder Geld. Wir können es schlecht negieren.

3) New Work beschreibt eine dramatische Veränderung

Auch wenn New Work für sich genommen keinen programmatischen Ansatz darstellt, so ist doch eines klar: Die verschiedenen Facetten dieses gesellschaftlichen Labels führen zu einem dramatischen und unvermeintlichen Wandel der bisherigen Ordnung von Arbeit, Führung und Organisation bzw. spiegeln diesen wider.

New Work beschreibt u.a.

  • wie sich die Auf- und Ablauforganisation in vielen Organisationen radikal ändert, um auf die veränderten Marktbedingungen zu reagieren
  • wie der Wettbewerb um Talente sich verändert
  • wie Führung neu interpretiert wird
  • wie Karrieren sich individualisieren
  • wie sich Technologie wandelt und insb. digitalisiert und dadurch Arbeit verändert
  • wie Zusammenarbeit sich fluidisiert und virtualisiert
  • wie Beratung sich ändert
  • wie neue Fähigkeiten von Bedeutung werden

… und einiges mehr.

4) New Work kann man nicht einführen

»Macht Ihr schon New Work?« Das ist eine falsche Frage. Das kann man nicht beantworten. Man kann ja auch Internet nicht machen. Man kann es verwenden, also davon Gebrauch machen. Und so ist es auch mit New Work.

New Work ist kein einführbares Konzept oder irgendeine anwendbare Methode. New Work handelt man sich ein, selbst ungefragt. Deine Firma macht heute auch schon Gebrauch von New Work, auch dann, wenn sie sich vielleicht noch nie mit den weitreichenden Möglichkeiten neuer Führung und Arbeitsorganisation auseinandergesetzt hat.

An manchen Dingen kommt man heute einfach nicht mehr vorbei. Dazu gehören z.B. Facetten der Digitalisierung. Ein Unternehmen ohne Website gibt es heute quasi nicht mehr.

Ein weiteres Beispiel sind mitdenkende Mitarbeiter. Auch ungefragt haben Mitarbeiter heute Ideen. Nicht weil sie kreativer sind als vor 50 Jahren, sondern weil es das Geschäft erfordert.

Die Bürokratie in Unternehmen ist nicht im Stande, jede Situation vorwegzudenken. Es kommt immer wieder zu Überraschungen, für die es noch kein Wissen gibt. Das provoziert Mitarbeiter, Ideen zu haben. Auch dann, wenn sie es offiziell nicht dürfen oder man es ihnen nicht zutraut.

Viele Unternehmen fordern diese „neue“ Verantwortungsübernahme auch schon seit einiger Zeit von ihren Mitarbeitern, schränken die Möglichkeit für selbige aber gleichzeitig strukturell ein. Das führt u.a. zu dem ausgeprägten Frust und den beobachteten Widersprüchlichkeiten zwischen Worten und Taten in vielen Unternehmen.

5) New Work heißt für jeden etwas anderes

Es gibt kein Reifegradmodell für Unternehmen mit ausreichender New Work Readiness oder Blaupausen für einen New Work gerechten Unternehmensaufbau. Ich korrigiere, die gibt es natürlich schon. Aber nicht weil sie den Unternehmen nützen, sondern weil sie sich gut verkaufen.

Kein Unternehmen ist wie das andere. Jedes Unternehmen hat spezifische Herausforderungen, die sich aus seinen Wettbewerbern, seinen Kunden, seinen Produkten, seinem Standort, seinen Mitarbeitern, seinem Image, seinen Lieferanten etc. ergeben.

Entsprechend muss jedes Unternehmen seinen eigenen Weg in die Zukunft finden. Wer also vorgibt, mit einem spezifischen New Work Best Practice jedes Unternehmen heilen zu können, hat Nachholbedarf in Sachen Komplexität.

Genauso wenig hält New Work uniforme Ratschläge für einen neuen Lebens- und Karriereweg parat. New Work ist vielmehr Projektionsfläche und zugleich Auslöser für einen Dialog über Veränderungen in der Art wie sich Menschen heute an Unternehmen binden, ihren Arbeitsort flexibilisieren, ihr Talent nutzen, sich selbst verwirklichen etc.

6) New Work ist kein Mitarbeiter-Bespaßungs-Programm

Auch hier muss ich mich korrigieren. Das ist es mitunter schon. Denn manche Unternehmen missinterpretieren die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts als Einladung, Gemeinschaftsräume durch Sitzkissen und Tischkicker zu garnieren.

Das mag kurzfristig die Bindung ans Unternehmen erhöhen und ist natürlich eine sympathische Ergänzung zu umfänglicheren Veränderungsvorhaben, verbessert die Fitness eines Unternehmens für sich genommen allerdings überhaupt nicht.

7) New Work schafft eine Bühne

Wo ein Label ist, ist eine Bühne. Das Netzwerk intrinsify.me könnte ja gar nicht existieren, wenn die Gesellschaft nicht zuvor die Veränderungen rundum Arbeit, Führung und Organisation irgendwie markiert hätte.

Und wo eine Not identifiziert wird, entsteht Platz für Sinngemeinschaften, Bewegungen, Diskussionsforen, Produkte und Orientierungsgeber. Das begründet letztlich auch unsere Existenz. Und natürlich die Existenz vieler anderer Akteure.

Für die möglichen Anspruchsgruppen heißt es deshalb »Augen auf und weiterhin selbst denken«. Nur weil wir oder andere Akteure viel Meinungsbildung betreiben, bleiben es Meinungen, keine Wahrheiten. Denn für die Zukunft der Arbeit kann es kein Wissen geben. Das schließt sich von selbst aus.

8) Man sollte sich aktiv mit New Work auseinandersetzen

New Work ist eine Beobachtung, ein Clusterbegriff, eine Einordnung – nichts was man machen kann. Und doch kann man nicht tatenlos zusehen.

Die dramatischen Veränderungen, die New Work beschreibt, kann man nicht aussitzen. Deshalb sollte jeder, ob als Führungskraft, Unternehmer, Freelancer oder in anderer Rolle sich unbedingt mit New Work beschäftigen. Denn nur so kann man sich eine eigene Meinung bilden und herausfinden, was New Work für einen selbst bedeutet und wie man reagieren muss.

 

Lust auf mehr?

Am 31.1. habe ich die Keynote beim New Work Thüringen Meetup in Eisenach gehalten. In dem Vortrag gehe ich noch mehr in die Tiefe und unterscheide zwischen Sinn und Unsinn der vielen New Work Facetten.

Verpasse keine neuen Beiträge und werde zum Experten der Neuen Wirtschaft

Geschrieben von

Blogauthor Mark Poppenborg intrinsify.me
Mark Poppenborg

Mark ist der Gründer von intrinsify.me. Mark erforscht seit Jahren eine Vielzahl von Pionier-Unternehmen, die radikal neue Wege in der Führung bestreiten. Seine tiefgreifenden Erkenntnisse führt er auf innovative Weise in seiner Beratungsarbeit, Seminaren und Speaker-Auftritten der Wirtschaft zu. Mark ist ebenfalls Gründer der Future Leadership eAcademy und eines Online Business (Paleo Jerky), das sich unter seiner Führung zum deutschen Marktführer für gesundes Beef Jerky entwickelte. Insofern ist er nicht nur Vordenker sondern auch Vormacher der neuen Arbeitswelt.

Erschienen am

Donnerstag, 26. Januar 2017

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2 Kommentare auf "8 Dinge die jeder über New Work wissen sollte"

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Lisa
Gast

Lieber Mark,
danke für diesen tollen Beitrag. Ich bin gespannt auf Deinen Vortrag morgen in Eisenach!
Viele Grüße
Lisa Maas

Webdesign Düren
Gast

Danke für diesen Beitrag mit vielen Infos. Macht weiter so!

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