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Am Ende sind’s die Frösche…

Wertgeschätzte Mitarbeiter trocknen ihren Teich nicht aus!

Ein oft benutzter Aphorismus bei anstehenden Veränderungsprozessen ist der vom Austrocknen des Teiches und den Fröschen, die man besser nicht fragt.

Gähn!
Es drückt sich kaum mehr Hilflosigkeit und Missmanagement in einem Satz aus, als das hier der Fall ist.

Am Ende sind's die Frösche

Managementfehler der Vergangenheit

Schon über die Austrocknung des Teiches nachzudenken, zeigt die Versäumnisse der Vergangenheit auf. Statt sich beizeiten auf sich verändernde Einflüsse einzustellen, wird bis zum Schluss gewartet, um dann zu kapitulieren und zuzumachen (auzutrocknen). Aktives Management sieht anders aus.

Was bedeutet das Austrocknen eines existierenden Teiches (um hier im Sprachgebrauch zu bleiben) denn im Detail? Der Teich stellt in der Regel ein existierendes Geschäft dar. Ein Geschäft, welches über einen bestimmten Zeitraum betrieben wurde. Dafür wird es Gründe gegeben haben. Jetzt über die Schließung des Geschäftes zu diskutieren kann nur der finale Schritt sein. Aber was ist mit den vielen kleinen Schritten davor? Was ist mit den, Anfangs sicherlich eher unscheinbaren, Anzeichen für Veränderungen oder gar Bedrohung des Geschäftes? Es gibt zwischen „ein Geschäft betreiben“ und „es schließen müssen“ viele Chancen den finalen Schritt abzuwehren.

Das Umfeld ständig im Auge behalten

Permanente Beobachtung des Marktes mit besonderem Fokus auf Kaufverhalten der Kunden und Agieren des Wettbewerbs geben frühzeitig deutliche Hinweise auf Veränderung der Gegebenheiten. Jetzt aber bitte nicht ignorieren oder „schön reden“ nach dem Motto, das gibt sich.

Wie häufig wird gerade die Veränderung des Marktes, der wachsende Wettbewerbsdruck, im Markt (plötzlich?) vorhandenen Überkapazitäten als Beweggrund für Restrukturierungen oder gar Schließungen genommen. Was ein Zeugnis für Tatenlosigkeit, Verschlafen oder Ignorieren.

Auf einer Versammlung von Fachhändlern im Einzelhandel hat vor Kurzem doch tatsächlich Jemand ernsthaft die Frage gestellt, ob sich das mit dem Internet und dem Onlinehandel nicht auch wieder von selbst erledigen könne. Dann wäre das Bedrohungspotenzial ja schließlich auch weg. Ja, lieber Einzelhändler, das Internet wird verschwinden und durch etwas noch Gewaltigeres ersetzt werden!

Die Betreiber von Pferdekutschen hatten Ende des 19. Jahrhunderts auch geglaubt, dass diese komische Art der Fortbewegung – Automobil genannt – wieder verschwindet und das Geschäft so bleibt wie es war. Merkwürdigerweise wurde das Auto von keinem Pferdekutschen-Betreiber in’s Leben gerufen oder weiterentwickelt. Da tun sich Parallelen zum heutigen fahrerlosen Auto auf, wo Apple, Google oder Uber die Treiber sind.

Rechtzeitiges Erkennen der Veränderung, gepaart mit der notwendigen Portion Mut und – das darf hier nicht verschwiegen werden – auch etwas Glück führen dazu, sich am Teich zu erfreuen, statt ihn auszutrocknen. Der Teich sieht nur unter Umständen etwas anders aus, als zu Beginn. Der Besatz des Teiches hat sich vielleicht verändert, er ist größer oder kleiner, etc. Aber es ist immer noch ein Teich.

Evolution statt Revolution – der alte Hut passt immer noch

Es gibt darüber hinaus noch eine weitere Analogie zwischen einem Teich und dem Business. In beiden Fällen ist es eher hilfreich von Evolution als von Revolution zu reden. Spontanes und radikales Eingreifen in die Natur führt oftmals zu größeren Katastrophen, wie nach Flussbegradigungen und darauf Jahre später folgenden Überschwemmungen zu bewundern ist. Gleiches gilt für das Business. Auch hier führt Kahlschlag und allzu kurzfristiges Eingreifen nach einer gewissen Zeit zu ungeahnten negativen Folgen. Der Hype um die Internet- Blase in den 1990er Jahren und damit verbundenen Verunglimpfung der sogenannten „old- economy“ hat das anschaulich gezeigt. Die Internet-Blase ist geplatzt und die „old-economy“ hat gerade im Energiesektor zu Beginn des neuen Jahrtausend einen wahren Boom erlebt.

Nur ein Frosch wurde von der Prinzessin geküsst

Ein weiteres Armutszeugnis – nahezu eine Unverschämtheit – bei der zitierten Management-Weisheit ist die Verunglimpfung der Mitarbeiter. Wer von uns möchte schon gerne als Frosch betitelt werden? In der Welt der Frösche gab es schließlich nur einen Glückspilz, den die Prinzessin geküßt hat….. Alle anderen Frösche fristen ein weniger spektakuläres Leben.

Es sind aber oft die Mitarbeiter des betroffenen Geschäftes, die die Anzeichen für Veränderung frühzeitig erkennen. Es sind die Menschen, die im täglichen Kontakt zu Kunden und Lieferanten stehen. Die den Markt täglich spüren. Warum werden diese Menschen nicht gehört? Warum werden ihre Anmerkungen und Hinweise nicht ernst genommen?

Management + Leadership = Erfolg

Liegt es unter Umständen daran, dass in der modernen Geschäftswelt nicht mehr zwischen Management und Leadership unterschieden wird? Im Deutschen gibt es die Begriffe leiten und führen, welche den Unterschied deutlich machen.

Sich Gedanken um den Fortbestand des Teiches zu machen ist leiten. Sich mit den Fröschen auseinanderzusetzen ist führen.

Beides zusammen buchstabiert man E R F O L G.

Leider wird nur allzuoft der Begriff „managen“ unisono benutzt. Das führt dann dazu, dass die Führungsthemen mit den selben Mechanismen angegangen werden, wie die Leitungsthemen. Es gibt Prozesse, Tools, Methoden und natürlich jede Menge Controlling.

Empathie, Wertschätzung, Persönlichkeit sind dann eher Begriffe, die einmal im Jahr in Mitarbeiter- oder Führungsgesprächen benutzt werden. Der Prozess sieht das so vor!
Eine Kultur der Wertschätzung, des Vertrauen kombiniert mit der Ausrichtung an Nutzen und Sinn ergeben eine Basis, bei der Veränderungen deutlich erfolgsversprechender ablaufen. Das ist allerdings nur schwerlich in Prozesse oder Methoden zu packen. Auch Tools sind hier nur unterstützend wirksam.

„A fool with a tool is still a fool“

Den guten Heizungsbauer erkennt man nicht an der Wasserpumpenzange. Die ist nahezu bei Allen gleich. Den guten Heizungsbauer erkennt man daran, wie er sich in die Problematik des kaputten Brenners oder Kessels hinein versetzt. Wieviel Wissen, Können oder Erfahrung er mitbringt, welches Geschick er aufbringt dem Kunden über Fragestellung zu entlocken, wie und wann das Problem erstmalig aufgetreten ist. Wesentlich produktiver – für die Heizungsfirma – wäre eine knappe, maximal 2 Minuten dauernde Diagnose „ist kaputt“, verbunden mit dem Angebot eines neuen Kessels oder Brenners. Ob sich das als nachhaltig herausstellt oder die Zufriedenheit beim Kunden steigert muss stark bezweifelt werden.

Im Nachhinein war es gar nicht so fürchterlich

Betrachten wir einmal Veränderungen retrograd, so wollen wir sicher nicht mehr in Höhlen leben und darauf hoffen ausreichend Fleisch vom Mammut zu haben um über den nächsten Winter zu kommen. Veränderungen haben oft das Begleitphänomen, dass es im Nachhinein gar nicht so schlimm war.

Haben Mediziner noch zu Beginn der Eisenbahn vor den unkalkulierbaren gesundheitlichen Schäden für den Menschen durch die hohen Geschwindigkeiten der Fortbewegung gewarnt – ca. 10 km/h – so nutzen wir heute die Bahn ohne gesundheitliche Beeinträchtigung und sie ist aus unserem Tagesablauf nicht mehr wegzudenken. Ob Güter- oder Personenverkehr, ob privat oder geschäftlich, die Bahn ist ein stark genutztes Reise- und Transportmittel.

Am Anfang aller Veränderung steht aber oft die Furcht vor dem Neuen. Die Angst bekanntes Terrain zu verlassen und dadurch Unsicherheit. Genauso, wie Pfeifen im dunklen Keller nur eine gefühlte Sicherheit gibt, so hilft ignorieren und schön-reden dabei aber auch nicht wirklich. Sich den Gegebenheiten stellen, ist immer noch die beste Variante.

Umgang mit Emotionen

Der Umgang mit diesen Emotionen ist ein wesentlicher Baustein in jedem Veränderungsprozess. Dabei gibt es einige wenige Grundsätze im Umgang mit Emotionen:

Erkennen

Es gilt die Fähigkeiten zu entwickeln Emotionen zu erkennen und richtig zuzuordnen. Erlebst Du gerade Frust? Oder ist es eher Trauer? Oder gar Angst?

Es ist wichtig die Emotion zu deuten, um fokussiert damit umzugehen. Es nützt dem Betroffenen nichts, ihm die Angst nehmen zu wollen wenn er eigentlich eher Trauer verspürt. Wird auf seine Trauer eingegangen, ist der Start für den Umgang mit Emotionen gemacht.

Zulassen

Es ist hilfreich, eine Kultur zu schaffen, in der Emotionen zugelassen sind. Es muss sich niemand schämen oder gar verstecken, wenn mal die Emotionen rauskommen. Dadurch erlangt ein Team das Gefühl, dass damit gemeinsam umgegangen wird. Die Emotionen werden ernst genommen und nicht als Schwäche abgetan, sondern als Stärke begriffen.

Thematisieren

Lasse die Emotionen zum Vorschein bringen, darüber reden, mit unmittelbar betroffenen Kollegen und mit dem gesamten Team. Spreche vorsichtig, aber offen und vor allem nicht wertend. Binde das Umfeld mit ein. Frage nach, wer noch Bedenken, Sorgen, Ängste, Frust….. hat – Ähnliches fühlt. Fordere Begründungen für die Emotionen ab. „Das ist doch alles Mist“ ist zwar ein emotionaler Ausbruch, es fehlt allerdings der Ansatzpunkt. „Was ist Mist? Woran machst du das fest? Wie zeigt sich das?“

Maßnahmen ableiten

Vereinbare Maßnahmen mit den beteiligten Personen. Zeige wie wichtig Dir das Thema ist, indem Du dich damit strukturiert beschäftigst. Binde sowohl die Person mit der jeweiligen Emotion ein, als auch andere aus dem Team. Schaffe so kleine Diskussionsgruppen, die sich untereinander stärken und stützen können, voneinander lernen. Gehe den Maßnahmen nach, lasse Dir den Fortschritt zeigen, greife mit ein.

Es ist nach getaner Arbeit ein durchaus erhebendes Gefühl, am Abend an seinem Teich zu sitzen, Flora und Fauna zu bewundern, einen guten Tropfen zu genießen und die Frösche zu bewundern. Es hat sich gelohnt!

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Geschrieben von

Blogauthor Marcus König intrinsify.me
Marcus König

Marcus König begleitet als facettenreicher Berater und Coach Unternehmen in Veränderungsprozessen. Mehr als 25 Jahre Erfahrung in verschiedenen Managementpositionen an unterschiedlichen Standorten, in verschiedenen Ländern mit wechselnden Aufgaben und Verantwortungen hat vor allem seinen Umgang mit Menschen geprägt. Aus diesem Grund betrachtet er Prozesse immer an der Schnittstelle Mensch/Business, d.h. der Mensch wird in den Mittelpunkt des geschäftlichen Handelns gerückt. Seine Überzeugung: „Die besten Prozesse und Produkte funktionieren am besten mit zufriedenen, motivierten und engagierten Menschen.“

Erschienen am

Donnerstag, 22. September 2016

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