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Was Du schon immer über unsere Wirtschaft wissen wolltest

12 Thesen für die Arbeit an und in der Neuen Wirtschaft

Bin ich ein wirksamer Mitarbeiter? Führe ich mein Team, meinen Bereich, mein Unternehmen noch auf wirksame Weise?

Studiere ich das richtige Fach? Habe ich mit dieser Ausbildung eine Zukunft? Wird mich jemand einstellen wollen?

Propagiere ich als Politiker die richtigen gesetzlichen Änderungen? Verfolgen wir mit unserer Partei die richtige Wirtschaftspolitik?

Egal in welcher Rolle Du Dich befindest: Kaum jemand kann sich den Einflüssen der Neuen Wirtschaft entziehen.

Deshalb liefert dieser Artikel 12 übergeordnete Thesen zu den gegenwärtigen Entwicklungen der neuen Wirtschaft.

12 Thesen zur Neuen Wirtschaft

© avlntn – depositphotos.com

Was ist die Neue Wirtschaft?

Die Neue Wirtschaft ist nicht wirklich eine neue, im Sinne einer anderen Wirtschaft. Wir befinden uns immer noch im gleichen System. Ein System, das sich jedoch dramatisch geändert hat.

Von trägen zu dynamischen Märkten. Von der Norm zur Ausnahme. Mehr Varianten, anspruchsvollere Kunden, gestiegene Imagebedeutung, mehr Wettbewerb, politische Unzuverlässigkeit, wechselhaftere Mitarbeiter, neue Technologien, neue Führungsansprüche, verändertes Ausbildungsniveau – kurz um: eine Wirtschaft, die anders aussieht als jene vor 20 Jahren. Deshalb: die NEUE Wirtschaft.

Wer durch die Brille der Neuen Wirtschaft beobachtet, ist an den Gesamtzusammenhängen interessiert, die sich durch Politik, Gesellschaft, Erziehung, Recht, Wissenschaft, Gesundheitssystem und eben der Wirtschaft ergeben.

Die folgenden Thesen überdecken sich zum Teil. Manchmal sind sie gegenläufig, manchmal ergänzen sie sich, bedingen sich, verstärken oder schwächen sich. Und schon gar nicht sind sie vollständig. Sie sollen zu einer Diskussion einladen, welche Thesen unsere Neue Wirtschaft prägen.

These #1: Algorithmische Arbeit wird automatisiert

Vor gerade einmal einem Jahr habe ich meine Kollegin noch gebeten, meine Telefontermine zu vereinbaren. Heute nutze ich dafür überwiegend Acuity Scheduling, eines von vielen Tools, die eine manuelle Aufgabe automatisieren können.

Dieser Trend setzt sich fort. Immer mehr Aufgaben werden von Automaten übernommen. Und gleichzeitig entstehen neue Aufgaben. Irgendwer muss Acuity Scheduling ja programmieren.

Aber Achtung: Nicht alles kann automatisiert werden. Nur die Aufgaben, die über Wenn-Dann Regeln darstellbar sind, lassen sich an Automaten delegieren. Algorithmische Aufgaben also.

Zurück zu meinen Telefonaten: So gibt es beispielsweise Gesprächspartner, bei denen vermute ich für uns beide einen größeren Nutzen, sollten wir telefonieren. Dieses Gefühl kann mir ein Automat nicht abnehmen. In diesen Fällen ziehe ich also auch mal das Gespräch dem geblockten Zeitraum für Fokusarbeit vor.

In den meisten Fällen behalte ich Recht, in manchen Fällen irre ich mich. Diese Gefühlsentscheidung kann ein Automat weder heute noch in Zukunft leisten, weil es sich hierbei um ein komplexes Problem handelt. Ein Problem also, für dessen Lösung Wissen nicht entscheidend ist.

Für junge Menschen bedeutet dies, sich Gedanken über ihre Ausbildung zu machen. Besteht der in Aussicht stehende Job im Wesentlichen aus Problemen, die durch Wissen lösbar sind, dann ist davon auszugehen, dass er früher oder später automatisiert wird.

Besteht er hingegen aus Problemen, die nur mit neuen Ideen gelöst werden können, dann könnte er auch in Zukunft Bestand haben, wenn auch nicht auf gleiche Weise.

Für Entscheider in Unternehmen bedeutet die Digitalisierung zu erkennen, an welchen Stellen Technologie Kosten einsparen kann und wo sie der Wertschöpfung eher im Weg steht. Das bedeutet eine zunehmende Arbeit an den Rahmenbedingungen der Arbeit, weniger einen Eingriff in die Arbeit selbst.

These #2: Die Gesellschaft differenziert sich weiter aus

Die Ausdifferenzierung der Gesellschaft beschreibt die Bildung immer spezialisierterer Kohorten, die als Identität erkennbar und adressierbar sind.

Lebensstile oder Lebenslagen (z.B. Digitale Nomaden, Veganer, Teilzeitangestellte) die vor wenigen Jahren quasi nicht existent waren, sind heute eine kaum noch ignorierbare Gruppe geworden, in denen Interessen ihre eigene Vertretung suchen.

In den entwickelten Ländern ist der Lebensstil zu einem wichtigen Maßstab persönlicher Zufriedenheit geworden. So entscheiden sich Menschen beispielsweise bewusst für Freiberufler-Karrieren, um ihre Flexibilität zu erhöhen und mehr Zeit mit der Familie verbringen zu können.

These #3 : Die Markteintrittsbarrieren sinken

Es ist auch morgen noch undenkbar, kurzerhand eine Fluggesellschaft aufzubauen. Doch für eine Vielzahl von Produkten und Dienstleistungen sind die Markteintrittsbarrieren dramatisch gesunken. Dazu haben unterschiedliche Entwicklungen und Phänomene beigetragen.

Das Internet hat es möglich gemacht, ortsunabhängig Gemeinschaften gleichgesinnter Menschen zu bilden (siehe These #2). Wo man es beispielsweise früher schwer gehabt hätte, Anhänger des Minimalismus-Prinzips zu finden, kann ich heute auf eine Vielzahl von Online-Ressourcen zurückgreifen und mich mit anderen Menschen über Facebook-Gruppen, Foren etc. vernetzen.

Das wiederum ermöglicht die Entwicklung eines Marktes, auf dem Produkt- und Dienstleistungsanbieter ihre potentiellen Kunden sehr gezielt erreichen können.

Online-Marktplätze (wie Amazon, Alibaba, ebay, etsy etc.) ermöglichen es Kleinstorganisationen (und sogar Einzelunternehmern) den Zugriff auf Wertschöpfungsketten, die ihnen in der Vergangenheit verwehrt waren.

Es reicht ein kleiner Wertbeitrag in der gesamten Wertschöpfungskette, um Teil des Marktes zu werden. Wer heute beispielsweise in das Geschäft der Stand-Up Paddle Boards (SUPs) für den Hobby-Nutzer einsteigen möchte, kann sich in China Fabrikate befriedigender Qualität herstellen und bedrucken lassen, um sie dann in Deutschland unter eigener Marke zu verkaufen. Eigener Wertbeitrag: Die eigene Marke. Das ging natürlich auch schon früher, doch der Aufwand ist eben deutlich geringer.

These #4: Kapitalzugangsbeschränkungen sinken

Nahezu jede Idee bekommt Kapital, vorausgesetzt, sie lässt sich erfolgsversprechend darstellen. Ob über Angel Investoren, Venture Capital, Crowdfunding, günstige Kredite, o.ä., es war noch nie so leicht, eine finanzielle Start- oder Ausbauhilfe für ein Produkt- oder eine Dienstleistung zu sichern.

Gleichzeitig sinkt die nötige Kapitalausstattung (siehe These #3 in Kombination mit Prinzipien wie dem Lean Startup), sodass die Innovationsgeschwindigkeit zusätzlich beschleunigt wird.

Dazu kommt eine zunehmende Bedeutung von Kryptowährungen, wie Bitcoin, die im Gegensatz zu herkömmlichen Fiatwährungen von keiner Zentralbank ausgegeben und kontrolliert werden. Je mehr diese Währungen genutzt werden, desto stärker sinkt die Bedeutung großer Banken.

Lust auf Vertiefung?

Am 23. September findet unser Wevent in Eisenach mit der LINDIG Fördertechnik GmbH statt, ein Unternehmen, das für seinen modernen Umgang mit den Phänomenen der Neuen Wirtschaft bekannt geworden ist.

Dieser Artikel soll somit auch als Diskussionsgrundlage für die vielen Themen dienen, die wir in Eisenach bearbeiten werden. Dort werden Menschen zusammenkommen, die – wie Du – von der Neuen Wirtschaft betroffen sind und sich fragen, wie sie besser mit ihr umgehen können.

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These #5: Die Überraschungsintensität nimmt zu

Black Swans nennt man im Englischen die unknown unknowns, also die unbekannten Unbekannten. Dabei handelt es sich um Ereignisse, die einen großen Einfluss haben, nicht erwartbar sind und im Nachhinein typischerweise in Form sogenannter narrativer Verzerrungen in eine kausale Geschichte gepresst werden, damit man ihr Zustandekommen nachvollziehbar erscheinen lassen kann. Sie bleiben jedoch unerwartbar.

Im Gegensatz zu einem Triebwerksausfall im Flugzeug, der zwar überraschend kommt, aber zu den vorstellbaren Ereignissen zählt, ist ein Black Swan ein Ereignis, das nicht nur zeitlich, sondern auch in seinem Inhalt überrascht.

Black Swans nehmen in ihrer Intensität tendenziell zu, da die Vernetzung der Welt zunimmt. Was Thomas Friedman in seinem Buch „The World is Flat“ im Wesentlichen als Chance glorifiziert, ist gleichzeitig eine gewaltige Gefahr.

Je vernetzter und effizienter die Wertschöpfungsketten, je größer die Verflechtung von Geschäftsnischen mit politischen Rahmenbedingungen, Subventionen etc., je globalisierter der Handel, desto fragiler ist das ganze System.

In der Folge kommt es zu größeren Überraschungen mit fatalerem Ausmaß. Eine Entwicklung, die nur durch weniger Effizienzstreben umkehrbar wäre.

These #6: Die Wettbewerbsfaktoren nehmen zu

Um wirtschaftlich erfolgreich zu sein, reichte es Unternehmen in der „alten“ Wirtschaft aus, effizient zu sein. Die Voraussetzungen dafür boten die Verkäufermärkte. Der Absatz war nie das Problem, nur die Kosten. Deshalb konnte der Fokus auf Effizienz liegen.

Qualität wurde erst zum Problem, als Wettbewerber mit besserer Qualität den eigenen Absatz begrenzten. Irgendwann taten sie das nicht nur mithilfe von Qualität sondern auch mit kürzeren Lieferzeiten. Dann mit umfangreicheren Funktionsumfängen. Heute wird die Liste der Wettbewerbsfaktoren immer länger: Neben den Preis, die Qualität, die Lieferzeit und den Funktionsumfang, hat sich das Design, das Markenimage, der Servicegrad, die Vorteile im Einsatz mit anderen Produkten, der Standort, die Umweltfreundlichkeit, die Sicherheit etc. gesellt.

Zudem lassen sich diese Wettbewerbsfaktoren nicht stabil priorisieren. Wo der Servicegrad letzten Monat noch den Hauptausschlag gegeben hat, könnte diesen Monat die Umweltfreundlichkeit in den Vordergrund rücken. Ganz abgesehen davon, dass die Bedeutung für jeden Kunden eine andere ist.

Ein Unternehmen kann trotz der größten Effizienz, der besten Qualität, der kürzesten Lieferzeit, dem sichersten Produkt und dem vertrauenserweckensten Standort wirtschaftlich deutlich weniger erfolgreich sein als ein Wettbewerber, dessen Markenimage und Produktdesign die Kunden überzeugt. Apple lässt grüßen.

Die Bedeutung immer neuer und in ihrer aktuellen Bedeutung schwankenden Wettbewerbsfaktoren nimmt weiter zu und macht es Unternehmen schwer, eine langfristige Strategie zu finden.

These #7: Wissen verliert als Wettbewerbsvorteil an Bedeutung

Wissen macht nicht mehr den Unterschied, weil es kein knappes Gut mehr ist. Natürlich kann patentierbares Wissen hier und da noch Wettbewerbsvorteile sichern, doch in der Regel ist es kein Alleinstellungsmerkmal mehr.

Was ich wissen kann, kann auch jeder andere wissen. Der Zugang zu Wissen ist kein Privileg mehr und dadurch schwindet die Bedeutung von Problemen, die durch mangelndes Wissen verursacht werden.

Was dagegen zur Bedrohung wird, ist mangelndes Können. Können ist die Fähigkeit, in Gegenwart neuer Probleme Ideen zu entwickeln, die häufiger zur Problemlösung führen als die Ideen anderer.

Ohne das Wissen über die gängigen Bezahlsysteme im Internet braucht man natürlich keinen Online-Shop gründen. Aber mit dem Wissen alleine auch nicht. Denn mit dem Wissen ist man in guter Gesellschaft.

Erfolg kann man sich nur dann erhoffen, wenn jemand an Bord ist, der ein latentes oder etabliertes Können besitzt, auf Ideen zur Nutzung von Bezahlsystemen zu kommen.

Unternehmen sind deshalb zunehmend abhängig von dem Können ihrer Mitarbeiter. Die Austauschbarkeit von Mitarbeitern sinkt und die Bindung, die ein Unternehmen zu seinen Mitarbeitern aufbauen müsste, steigt. Das steht natürlich im Widerspruch zu der Zunahme von Freiberuflerkarrieren, die in These #2 beschrieben wurde.

These #8: Die Moral guckt immer zu

Die Wirtschaft muss sich mehr denn je an die Moralvorstellungen der Gesellschaft anpassen. Oder anders: Keine wirtschaftliche Entscheidung kann noch erwarten, dass sie von einem moralischen Urteil verschont bleibt.

Als ich das Lebensmittelunternehmen Paleo Jerky gegründet habe, durfte ich mit Erschrecken feststellen, dass Plastikverpackungen nicht nur günstiger sondern in aller Regel auch umweltfreundlicher sind als Papierverpackungen.

Dass unser Image aber davon profitieren könnte, Papierverpackungen zu nutzen, konnte ich nicht ignorieren. Denn diese stehen in der öffentlichen Wahrnehmungen besser dar.

Wir werfen der Wirtschaft häufig vor, unsere Moralvorstellungen schamlos auszunutzen. Die Wirtschaft könnte uns ebenso berechtigt vorwerfen, vernünftige Entscheidungen zugunsten von moralgetriebenen verwerfen zu müssen.

So oder so lässt sich feststellen, dass wir Unternehmen auf Schritt und Tritt folgen und über die Schulter gucken. Was der Gesellschaft früher verborgen blieb, wird heute über Insider-Berichte, Social Media, Website-Auftritte etc. an die Oberfläche gespült und so Gegenstand der öffentlichen Beobachtung. Das hat, wie so Vieles, Vor- und Nachteile.

These #9: Die Aufmerksamkeitsspannen sinken

Unsere Blog-Artikel werden im Durchschnitt nach 48% des Lesefortschritts abgebrochen. Ja sorry, Big Brother is watching. Aber natürlich sind das Durchschnittsdaten. Wie lange Du ganz konkret dabei bleibst, können wir natürlich nicht wissen. Danke also, dass Du bis hierhin gekommen bist.

Im Schnitt sinkt die Aufmerksamkeitsspanne jedoch, was auch die Popularität schnell verdaulicher Formate wie kurzen Videos oder Snapchat-Nachrichten erklärt.

Da Menschen von immer mehr Welten (sozialen Systemen) Gebrauch machen, sehen sie sich einer zunehmenden Zahl von Handlungsansprüchen ausgesetzt. Die Systeme konkurrieren also um Ressourcen des Individuums.

Das damit einhergehende Ringen um Vereinbarkeit erzeugt ein Gefühl von Zeitknappheit und senkt die Aufmerksamkeitsspanne. Insofern ist Zeit vor allem ein soziales Phänomen, nicht nur ein physikalisches. (Wer die Zeit hat, kann sich das hier wunderbar von Dirk Baecker erklären lassen.)

Auf diese Entwicklung reagieren die sozialen Systeme (z.B. Unternehmen) wiederum und suchen ihrerseits nach Lösungen, um ihren Interessen Platz zu verschaffen: ein sich selbst verstärkender Kreislauf.

Wir dürfen uns also nicht wundern, dass wir ein Werbevideo schauen müssen, wenn wir uns in ein öffentliches WLAN einloggen wollen. Für alles andere ist die Zeit zu knapp. Und dieser Trend wird tendenziell zunehmen – mit allen Folgen für Individuen und Unternehmen.

These #10: Das Erziehungssystem bereitet immer weniger auf die Zukunft vor

Das herrschende Erziehungssystem beruht im Wesentlichen immer noch auf den Grundlagen des Industriezeitalters. Anstatt Vielfalt zu fördern, produziert es Norm. Es verdrängt Neugier und fördert Gehorsam. Zugunsten erwartbarer Lehrpläne werden individuelle Interessen und Lerngeschwindigkeiten ignoriert.

Für Arbeiter in den Fabriken des frühen 20. Jahrhunderts eine verständliche Strategie. Diese Strategie war natürlich schon damals wegen ihrer entfaltungsfeindlichen Wirkung moralisch kritisierbar. Heute kommen aber auch ganz zweckrationale Zweifel hinzu. Ein normierter Mensch ist zwar leichter zu kontrollieren, aber tut sich mit den Anforderungen der heutigen Welt deutlich schwerer.

Vielfalt, Ambiguität, Volatilität und Unsicherheit lassen sich nicht gerade mit mechanistischen Denkgewohnheiten bewältigen. Weil Ersteres zunimmt wird Letzteres aber immer mehr zum Problem.

Montessori, Waldorf, Sudbury u.ä. geben zwar Grund zur Hoffnung, spielen aber in der breiten Erziehungslandschaft eine untergeordnete Rolle.

Die Wirtschaft wird es also immer schwerer haben die Verfehlungen des Erziehungssystems zu verkraften bzw. zu kompensieren.

These #11: Es entstehen Gegentrends

Wie immer provozieren Trends auch Gegentrends. Die Empörung über die globale Finanzkrise hat z.B. Gegenbewegungen wie Transition Town Aufschub verliehen. Communities, die nach dem Subsidiaritätsprinzip (salopp: alles was geht selber machen) handeln, Globalisierungsgegner, Umweltbewegungen und nicht zuletzt auch Netzwerke wie unseres setzen sich für ein anderes Denken ein.

Diese Alternativen eint oft nichts weiter als ihre Unzufriedenheit mit dem Status Quo. Manche agieren dabei missionarisch, manche aufklärerisch, manche gewalttätig, manche gewaltfrei usw.

Sie stellen Sinngemeinschaften zur Verfügung und befriedigen somit das menschliche Bedürfnis nach Zugehörigkeit.

These #12: Der Innovationsdruck steigt

Diese These umspannt nahezu alle anderen. Sie ist zugleich Ursache und Folge der beschriebenen Thesen.

Dynamik entsteht, wenn sich Märkte sättigen und Käufer mehr Alternativen haben. Da sich Kunden auf Dauer für das bessere Gesamtangebot entscheiden, wird das Bessersein zur Dauerherausforderung. Das geht nur über eine hohe Innovationsgeschwindigkeit.

Innovation ist das Ergebnis von Versuchen, die scheitern können. Mit anderen Worten: Unternehmen müssen scheitern, um innovativ sein zu können. Dafür ist neben dem verlässlichen Regelbetrieb die Einrichtung organisatorischer Schutzräume für Irrtümer nötig. Lokale Ausnahmen also, in denen keine Konformitätserwartungen herrschen.

Aber auch die Politik ist betroffen. Einer der größten Feinde von Innovation ist Bürokratie. Andererseits neigen unregulierte Märkte zu asymmetrischen Verteilungen, die ein ausreichend stabiles Wohlstandsgleichgewicht gefährden. Politik hat also mehr denn je die anspruchsvolle Aufgabe, auf angemessene Weise zu regulieren und damit übertriebene Machtbildung zu verhindern, während Innovation möglich bleibt.

Fazit

Einige der beschriebenen Entwicklungen passen mir nicht. Doch mich hat es entlastet zu verstehen, an welchen Hebeln man erst gar nicht ansetzen braucht, weil es keine sind.

Appelle gegen den technischen Fortschritt, Weckrufe für mehr Menschlichkeit und Klagen über gierige Bänker sind etwa so wirksam wie ein Sonnentanz.

Wirtschaft ist selbstläufig. Sie hat kein Ohr für Argumente, genauso wenig wie die Politik oder das Recht. In musterstabilisierender Weise schreibt sie die Vergangenheit in die Zukunft fort. Ob wir es wollen oder nicht. Und ganz unabhängig von ihren Akteuren.

Das ist keine Einladung zum Fatalismus sondern dazu, Chancen zu ergreifen anstatt Risiken anzuprangern. Zu Verstehen welche Mechanismen die Wirtschaft prägen halte ich für sinnvoll, die Prägung zu kritisieren für naiv. Sie hat ja keinen Autor, der „Halt“ rufen könnte.

Bei unserem Wevent in Eisenach wollen wir die vielen Stimmen zur Neuen Wirtschaft zusammenbringen und ein Thesenpapier erarbeiten.

Wenn Du Lust hast, schon jetzt dazu beizutragen, dann lade ich Dich herzlich zu unserer Blogparade zum 33. Wevent ein.

Blogparade zum 33. Wevent – Welche (95) Thesen beschreiben die Neue Wirtschaft?

Um an der Blogparade teilzunehmen, folge einfach diesen 3 Schritten:

  1. Schreibe bis zum 3. September einen Beitrag zum Thema des Wevents, indem Du Deine Thesen zur Neuen Wirtschaft sammelst.
  2. Verlinke in dem Beitrag diese Seite hier.
  3. Poste Deinen Beitrag mit dem Hashtag #NeueWirtschaft auf Twitter.

Als Dankeschön werden wir einen zusammenfassenden Beitrag schreiben, der auf alle erstellten Beiträge verlinkt.

Auf dem 33. Wevent in Eisenach werden wir dann gemeinsam unsere happy-working-people-Thesen erarbeiten und danach gemeinsam veröffentlichen. Unser Ziel: Möglichst viele Menschen erreichen und zum Nachdenken anregen.

Verpasse keine neuen Beiträge und werde zum Experten der Neuen Wirtschaft

Geschrieben von

Blogauthor Mark Poppenborg intrinsify.me
Mark Poppenborg

Mark ist der Gründer von intrinsify.me. Mark erforscht seit Jahren eine Vielzahl von Pionier-Unternehmen, die radikal neue Wege in der Führung bestreiten. Seine tiefgreifenden Erkenntnisse führt er auf innovative Weise in seiner Beratungsarbeit, Seminaren und Speaker-Auftritten der Wirtschaft zu. Mark ist ebenfalls Gründer der Future Leadership eAcademy und eines Online Business (Paleo Jerky), das sich unter seiner Führung zum deutschen Marktführer für gesundes Beef Jerky entwickelte. Insofern ist er nicht nur Vordenker sondern auch Vormacher der neuen Arbeitswelt.

Erschienen am

Donnerstag, 13. Juli 2017

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